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Deutsches Damen-
Nationalteam in Japan

Eine Nachlese zum Einsatz deutscher Damen in Kitakami
vom 05. bis n. Oktober 2000

Ein Bericht von Anita-Dolores Barthelemy
Einer Einladung des japanischen Petanqueverbandes
folgend, reisten Lara Eble und ich zum Internationalen
Turnier nach Kitakami.

Vom Pech verfolgt, konnte Lara erst am Folgetag die
Maschine nach Tokyo nehmen, da sie nicht im Besitz eines
Visums war, welches für einen Zwischenstop in England
notwendig ist. Schon allein der Gedanke Deutschland im
fernen Japan als Spielerin zu vertreten, war aufregend.
Der zwölfstündige Flug nach Nakita (ca. 70 km von Tokyo
entfernt) verging schnell und wir wurden am Flughafen
von einer japanischen Delegation abgeholt.

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Mit einem Bus fuhren wir zu unserem Hotel
nach Tokyo. Dort nahmen wir Kontakt zum
japanischen Verbandsvizepräsidenten auf,
um ihm mitzuteilen, daß meine Doublette-
partnerin erst später eintreffen würde. Da
die Zugplätze bereits reserviert waren, konn-
ten wir leider nicht auf Lara warten. Ein wei-
terer Delegierter wurde bereit gestellt, um
dafür zu sorgen, daß Lara komplikationslos
nach Kitakami kam.

Bei sommerlichen Temperaturen hatten Jean-
Claude und ich nun die Möglichkeit, die pul-
sierende Stadt Tokyo zu durchstreifen. Eine
Stadt die nur fasziniert. Auffallend für uns
war z.B., daß weder Männer noch Frauen
Jeans tragen, der Kimono oder das Kostüm
bzw. der Anzug werden bevorzugt. Das
Straßenbild wird von vielen Taxen dominiert,
das eigene Auto und der dafür notwendige
Parkplatz sind zu teuer.

Garküchenrestaurants mit oftmals nur 4
Plätzen prägen das Bild, neben Geschäften,
die vom getrockneten Fisch bis zu ausge-
stopften Eisbären ihre Waren feilbieten. Nach
39 Stunden ohne Schlaf war es nun an der
Zeit ins Bett zu gehen. Am nächsten Tag ging
es dann per Zug ins 300 km entfernte
Kitakami, dem Austragungsort des Turniers.
Auch Lara war mittlerweile in Tokyo ange-
kommen und stieß wenig später zu uns.
Als einziges europäische Team standen wir
im Mittelpunkt des Interesses. Weitere ein-
geladene Teams kamen aus Singapur, Neu-
Kaledonien und natürlich aus den verschie-
den Regionen Japans. Ein französisches

Team, welches seit Jahren in Japan lebt,
ergänzte das Teilnehmerfeld. Nach der
Begrüßung sahen wir uns einige Spiele der
japanischen Meisterschaften an und stellten
fest, daß das Terrain sehr glatt war und beim
Aufprall der Kugeln federte. Also keine opti-
male Bodenbeschaffenheit. Aus diesem
Grund wurde auch meist gelegt und wenig
geschossen, da nur satte Eisentreffer zum
Erfolg führten. Von den Spielfeldern wurden
vereinzelt liegende Steinchen entfernt, das
Carre d'honneur vor den Spielen mit einem
Besen gefegt.

Am nächsten Tag konnten wir dann in das
Geschehen eingreifen und nach dem wir
erfahren hatten, daß wir in Gruppen - jeder
gegen jeden - spielen würden, konnte das
Turnier beginnen. Nach anfänglicher Nervosi-
tät konnten wir unsere drei Gruppenspiele
gewinnen. In diesen Spielen stellten wir fest,
daß die Japaner legerisch sehr gut sind,
jedoch in den Schüssen ihre Defizite haben.
Viele Zuschauer waren begeistert von unse-
rer Spielweise und spendeten uns Applaus.
Wir schauten noch bei den anderen Gruppen
zu und warteten auf die Auslosung für den
nächsten Tag. Bei unseren Beobachtungen
fiel uns auf, daß die einzelnen Regionen
Japans jeweils einen eigenen Pavillon hatten,
die Mahlzeiten zusammen einnahmen und
auch sonst ein ausgesprochenes Gemein-
schaftsgefühl vorhanden war.

In der Zwischenzeit trainierte Jean-Claude
einige Japanerinnen in der Schußtechnik.
Konzentriert sahen und hörten sie zu und

versuchten das Erlernte etwas abseits noch-
mals zu probieren. Für den Abend war das
Bankett angesagt und wir fuhren zum Hotel
zurück, um uns für das Fest vorzubereiten.
Die Präsente für unsere Gastgeber einge-
packt, fuhren wir zu diesem Ereignis. Ein
großartiges Bankett erwartete uns. Die
Tische waren mit Speisen und Getränken
eingedeckt, wir lauschten den Rednern und
obwohl wir kein japanisch verstanden, konn-
ten wir dem Sinn der Vorträge folgen. Unser
Repräsentant, Jean Claude übergab an den
Verbandspräsidenten und dem Vereins-
präsident selbstgefertigte Pokale und
bedachte auch beide mit DPV-Pins und den
beliebten Cochonnets. Unsere japanischen
Freunde betonten, daß sie sich über eine
weitere Teilnahme einer deutschen Mann-
schaft freuen würden. Es folgten künstleri-
sche Darbietungen, die ausgezeichnet insze-
niert waren und uns sehr gefielen. Um 20
Uhr war das Fest vorbei und wir fuhren
zurück zum Hotel.

Am nächsten Morgen ging das Turnier weiter.
Bedingt durch die Zeitverschiebung hatten
wir ein schweres erstes Spiel, welches wir
zwar gewinnen konnten, allerdings waren in
unserem Spiel Konzentrationsfehler festzu-
stellen, die wir auch bei der anschließenden
Viertelfinalbegegnung nicht abstellen konn-
ten und bei einsetzendem Regen gaben wir
die Begegnung zu 12 ab. Für uns war somit
das Turnier beendet. Der Frust der
Niederlage wich allerdings der Erkenntnis,
daß eine längere Vorbereitungsphase vor Ort
nötig ist, um die Zeitumstellung und die ver-
änderten Bedingungen kompensieren zu
können.

Nach der Siegerehrung fuhren wir zurück
zum Hotel und am folgenden Tag ging es für
uns via England zurück nach Deutschland.
Die gewonnen Eindrücke werden wir nicht
vergessen. In diesem Jahr findet wieder ein
internationales Turnier in Japan statt, zu dem
mehrere europäische Mannschaften eingela-
den werden. Es wäre schön, wenn der DPV
wieder ein Team schicken könnte.

Anita Barthelemy
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Turnierplan auf japanisch! Das Foto ganz
links entstand beim grandiosen Festbankett